Chiliführung bei Stekovics

Letztes Jahr vor Weihnachten wieder dasselbe Dilemma: was schenke ich meinem Gartenelf zu Weihnachten? Als Koch und mittlerweile auch interessierter Gartenbetreuer kam mir die Idee, dass ein Besuch bei Erich Stekovics genau das richtige sein könnte. (und so ganz nebenbei auch für die Gartenfee – gaaaaanz uneigennützig versteht sich *fg*)
Letztes Wochenende war es soweit und wir haben die Führung mehr als genossen. Darum möchte ich euch in Form eines kleinen Berichts an diesen tollen Abend teilhaben lassen.

Die Ankunft

In Frauenkirchen angekommen wurden wir gleich von Priska Stekovics mit einem Gläschen Sekt empfangen, konnten vorab bereits im Shop gucken was es so an Leckereien gibt und haben die erste Zwiebel- und Knoblauchernte bewundert, die schön in Zöpfen geflochten den Innenhof geziert hat.

Die diesjährige Knoblauch- und Zwiebelernte

Kurz darauf wurden wir von Erich Stekovics begrüßt, der uns eine kleine Einführung in seine Chilisammlung gab. 850 Chilisorten gibt es zu bewundern und teilweise auch zu verkosten. Darunter sind ca. 200 neue Sorten aus den USA mit teilweise hohen Schärfegraden, die er selbst noch nicht kennenlernen konnte. So gab es gleich zu Beginn auch eine ernstgemeinte Warnung es nicht zu übertreiben, damit kein Notarzt benötigt wird. Mit Capsaicin ist immerhin nicht zu spaßen und das aus gutem Grund.
Aber nun, ab aufs Chili-Feld!

Auf der Chili-Parzelle: ‘Rubin’, Apfelpaprika und ‘Spiral’

Chili-Anbau 

Am Feld angekommen gleich mal die Erkenntnis: Chilis mögen Gesellschaft!
Während man sie in Töpfen gerne alleine sind, pflanzt man sie ins Freiland oder Beet am besten relativ knapp damit sich ein optimales Mikroklima bilden kann. Die Gesellschaft scheint die Pflanzen auch regelrecht beim Wachstum anzuspornen.
Und noch etwas: liebe Gärtner hört auf ständig zu gießen!
Wer viel gießt sorgt dafür, dass sich die Pflanzen pudelwohl fühlen und kaum bis keine Blüten ansetzen. Denn warum sollte sich die Chili fortpflanzen wenn es ihr eh tiptop geht?  Also weg mit der Gießkanne und erst wässern wenn die Pflanze so richtig leidet und es gar nimmer anders geht! (Im Gewächshaus bei Stekovics bekommen die Pflanzen 1L/Woche)
Und der Erfolg gibt ihm recht, die Pflanzen sind über und über voll mit Früchten.
Da muss auch ich mich bei der Nase nehmen, trotz Gartenbauausbildung wässre ich bestimmt zuviel und gelobe Besserung.

‚Billy Goat‘ über und über voll mit Früchten

Außerdem der Apell an die Hobbygärtner: lasst mehr Geduld walten beim Pfanzenkauf!
Es macht keinen Sinn schon im Februar/März Pflanzen zu kaufen wenn die Bedingungen erst ab Mai/Juni ideal für die Pflanzen sind. Man versäumt Nichts wenn man zuwartet, die Pflanzen holen alles auf, da später die Bedingungen ideal sind. (ich weiß es fällt nicht leicht, wenn es im Frühjahr schon unter den Nägeln brennt und man sehnlichst darauf wartet loslegen zu können; aber Geduld…). In diesem Betrieb wurden die Pflanzen Mitte Juni gepflanzt da es vorher zu kühl war. Davon ist nun nichts mehr zu sehen.

Am Feld konnten wir Apfelpaprika, Rubin und Spiral bewundern. Während der Apfelpaprika gerne mit Sauerkraut gefüllt und sauer eingelegt wird, eignet sich die Sorte Rubin hervorragend für Paprikapulver und ist besonders aromatisch. Den Spiral kennen wir alle als Pfefferoni sauer eingelegt.
Um Chilis richtig zu trocknen empfiehlt Erich Stekovics sie entweder an einem Faden aufzufädeln (Abstand halten!) und luftig trocknen zu lassen (nicht in die Sonne hängen!). Oder noch besser, die Pflanze oder ganze Zweige kopfüber aufzuhängen und an der Pflanze trocknen zu lassen.
(das werden wir dieses Jahr natürlich gleich mal ausprobieren)

Erich Stekovic zeigt wie man Chili und Paprika richtig trocknet

Ein Durchgang durch die Samenvermehrung

Vom Feld ging es dann schnurstracks zu den Folientunneln wo die Samenvermehrung ihr Zuhause hat und dort hat mein Gärtnerherz wieder einen Hüpfer gemacht. Bei so einer Sortenvielfalt kann ich meist nur mehr doof gucken und staunen. Sooo schön!
Um den Gaumen zu neutralisieren und uns etwas die Schärfesymptome zwischen den Kostproben zu nehmen, gab es frischen Speck, Brie, Brot und aus eigener Produktion Salzgurken, Tampenade (die einfach nur göttlich war!) und Fleischparadeiser (Sorte Hess – der Wahnsinn!!! ich durfte mir eine Frucht zwecks Saatgutentnahme mitnehmen 🙂 )

‚Gänseschnabel‘ wird gerne in der Spitzengastronomie verwendet


Gemeinsam durchstreiften wir schließlich die Tunnel und zu vielen Sorten wusste Herr Stekovics Interessantes zu berichten. (alle aufzuzählen würde den Bericht sprengen) Natürlich durfte auch gekostet werden, mal mit mehr, mal mit weniger Vorsicht.
Und da war so manches Mal wirklich Obacht geboten. Bei der Sorte `Trinidad Maruga Yellow‘ hat ein Stück von wenigen Millimetern Größe ausgereicht um bei mir sofort für Hitzewallungen und Schweißausbrüche zu sorgen. Die `Bulgarische Karotte‘ war da schon etwas heimtückischer, ihre Schärfe kam stark zeitverzögert und hat bei so manchem für eine Überraschung gesorgt.
Jalapenos gab es in verschiedensten Farbvarianten, hier gefiel mir besonders die Sorte `Neon Yellow‘.

Jalapeno Neon Yellow trocknet schon an der Pflanze

Es wurden nicht nur scharfe Chilis sondern auch Paprika verkostet. Besonders auffällig war dabei `Petit Marseillais‘, der Kleine aus Marsailles, der besonders viele kleine g’schmackige Früchte trägt. Oder die Sorte `Shaki Gake‘ der große rote Paprikafrüchte bietet.

Kleiner aus Marseille

Die Fülle an Sorten hat einen schier erschlagen und oft konnte man nur staunen. Es gab Sorten die bis zu 2m (!) hoch waren und kleinwüchsige Züchtungen die gerade einmal eine Höhe von 30cm erreichten. Aber auch bei Farben und Formen war die Auswahl unglaublich.
Normal habe ich es nicht so mit bunten Formen (man kennt sie zum Teil zur Genüge aus der Zierpflanzenecke der Gartencenter), aber die `Variegata‘ mit ihrem panaschiert bunten Laub war ein echter Hingucker.

Variegata

Und, ist er nicht schön?! Das ist die Sorte ‚Habanero Pastell‘ – die Farbe ist der Kracher!

Habanero Pastell

Nach der Führung bekam jeder Teilnehmer ein kleines Schälchen in die Hand gedrückt mit der man sich aus bestimmten Folientunneln Proben für Zuhause mitnehmen durfte. Während ich vorher schon einige Sorten im Kopf hatte stand ich später vor dem Problem, dass ich von den vielen interessanten Sorten total erschlagen war. Ich war richtig, richtig überfordert und hab bei Weitem nicht mitgenommen was ich wollte und wusste teilweise auch nicht mehr wo ich welche Sorte finde. (Auch wenn Herr Stekovic gern das Navi übernommen hat) Tja, das mach ich beim nächsten Mal bestimmt besser….

Wir werden versuchen von den Früchten Samen zu entnehmen und die eine oder andere Sorte nächstes Jahr selbst kultivieren.
Ein paar sind es doch geworden:

unsere Ausbeute (inklusive Paradeiser ‚Hess‘)

Zum Abschluss gab es im Shop noch eine Verkostung diverser Produkte aus Eigenproduktion. Wir wussten vorher schon dass wir zuschlagen würden und waren deshalb nicht verwundert, dass wir uns kräftig mit Tampenade, Marmeladen und eingelegten Leckerein eingedeckt haben. (ich sag nur Knoblauchblüten!!!)

Unser Resumee:
Ich als durch meine Ausbildung einschlägig vorbelastete Gartenfee bin ja kein Maßstab, aber wir waren alle durch die Bank begeistert und werden nächstes Jahr wieder eine Führung buchen. Dann vermutlich im Paradeiser-Paradies.
Ich kann jedem nur wärmstens einen Besuch bei Priska und Erich Stekovics empfehlen. Man spürt die Leidenschaft und die Begeisterung für die Kultur und kann viel für sich daheim mitnehmen. Die beiden sind einfach sympathisch und bodenständig.
Ich jedenfalls weiß, dass ich die Kultur nächstes Jahr ganz anders angehen und mich auch mehr trauen werde was die Verarbeitung in der Küche betrifft. Die ersten Ideen wie wir unseren Anbau erweitern sind schon in Arbeit.

Abendstimmung

6 Kommentare zu „Chiliführung bei Stekovics

  1. Hallo Lady, habe deinen Bericht über die Chili Führung bei Stekovics gelesen, hast du sehr schön zusammengefasst – werde da mal meinem Sohn, der begeisterter Chili Fan ist so eine Führung schenken.
    Zur Tomaten Führung -kann ich dir nur empfehlen, wir – Schwiegertochter und ich waren begeistert von den Erzählungen und den Eindrücken auf den Tomatenfeldern…
    Danke für diesen Beitrag!
    Edith

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    1. Hallo Edith!
      Dankeschön für dein Feedback! Das hört sich sehr gut an, ich hatte zu Schulzeiten eine Führung (wie lange das jetzt her ist verrate ich aber nicht 🙈) da wird’s Zeit für eine Auffrischung.
      LIebe Grüße und ein schönes Gartenwochenende

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  2. Danke! Dein Bericht ist ein traumhaftes Lesefutter für mich. Habs richtig aufgesaugt. Träume auch schon lange vom Tomaten Paradies. Ich liebe ja mein Mini-Gärtchen am Balkon und baue da schon lange Tomaten an.
    LG Anita

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  3. Vielen Dank für deinen Bericht. Ich hoffe, dass ich dort mal vorbeischauen kann. Er macht dort 4h täglich Führungen? Am liebsten würde ich dort gleich arbeiten, nachdem ich den Podcast gehört habe. Liebe Grüße Philipp aka @chili.heads

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    1. Hallo Philipp!
      Es gibt die sogenannten „Genussstunden“, diese sind ab November im Shop für den Sommer buchbar. Aber da muss man auch schnell sein, die Termine sind rasch ausgebucht. 4 Stunden dauert eine Führung. Die finden aber nicht täglich statt.
      Kann ich nur empfehlen!
      Lg

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      1. Okay, das werde ich mir im Kalender notieren 😉 Den Beitrag über die Charapitas bei Herrn Stekovics hatte ich damals sogar bei Galileo gesehen.

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